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Paris Palmyra – 19. November 2017, 11 Uhr im Theatertreff

Hermann Parzinger: Palmyra in der Archäologie

Abdo Abboud: Palmyra in der Literatur

In der abschließenden Veranstaltung der Reihe „Paris Palmyra“ stellt eine Stadt in den Mittelpunkt, die zum Weltkulturerbe gehört. Sie ist von der Terrormiliz Islamischen Staat so zerstört worden, dass wichtige Teile von ihr allenfalls durch 3D-Drucker wiederhergestellt werden können. Zum Abschluss der Reihe „Paris Palmyra“, die vom Kulturamt der Stadt Münster und dem Literaturverein Münster e.V. veranstaltet, von der Kunststiftung NRW, der Sparkasse Münsterland Ost sowie der Kunststiftung der Provinzial gefördert worden ist, werden sich zwei Fachleute mit der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft dieser syrischen Stadt beschäftigen, die über Jahrtausende alles ausgemacht hat, was Stadt bedeutet: Kultur und Interkulturalität, Wissenschaft und Lebensart, Herrschaft und Ohnmacht, Zerstörung, Zerfall Wiederaufbau. Die Veranstaltung findet statt, am 19. November um 11 Uhr im Theatertreff (Neubrückenstraße 63).

Hermann Parzinger, habilitierter Prähistoriker und seit 2008 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, wird sich mit der Archäologie Palmyras befassen. Und einen Blick auf die Literaturgeschichte Palmyras wirft der Komparatist Abdo Abboud, Lehrbeauftragter für Arabische Literatur am Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der WWU Münster.

„Baut Palmyra wieder auf!“, hat Parzinger einen Appell überschrieben, den er vor zwei Jahren veröffentlicht hat. Das Ziel der Zerstörung durch den IS sei das Auslöschen jeglicher Erinnerung an die Vergangenheit und die völlige Vernichtung des kulturellen Gedächtnisses der Menschen im Nahen Osten. Gerade deshalb dürfe die Sprengung von Welterbe-Stätten nicht das letzte Wort sein: „Die bedeutendsten Denkmäler, wie etwa der Baal-Tempel von Palmyra, müssen wiederaufgebaut werden: Das Land wird solche Symbole des Respekts zwischen den Kulturen und den Religionen brauchen, um einen dauerhaften Sieg der Toleranz über den Fundamentalismus zu ermöglichen. Syrien wird man beim Wiederaufbau nicht alleinlassen können. In meinen Augen braucht es einen Fonds der UNESCO-Mitgliedstaaten, ein wahrhaft internationales Aufbauwerk, um Palmyra und andere Orte wiedererstehen zu lassen.“

Abdo Aboud ist Syrer, hat in Frankfurt am Main Germanistik studiert und ist mit einer Arbeit über die die Aneignung des deutschen Romans im arabischen Orient promoviert worden; 2006 hat er an der Universität Damaskus das bisher einzige Institut für Germanistik in Syrien initiiert und mehrere Jahre geleitet. Er ist zurzeit Gastdozent an der Universität Münster. Für heutige Syrer ist Palmyra (Tadmor) ein wichtiger Baustein nationaler Identität, und Abdo Aboud. wird sich vor allem mit Zannubya, der Königin von Palmyra befassen, die im 3. Jahrhundert vor Christus lebte. Aboud wird die Spuren lesen, die Zannubya in der syrischen Literatur bis heute hinterlassen hat, Bei aller arabisch-patriotischen Stilisierung der legendären palmyrenischen Königin seien die säkularen syrischen Autoren letztlich dem abendländischen Zannubya -Bild weitgehend treu geblieben, womit sie Weltoffenheit signalisiert hätten, schreibt Joseph Croitoru in der F.A.Z.: „Es sind gerade diese Elemente einer modernen säkularen arabischen Kultur, die die Dschihadisten des ‚Islamischen Staats‘ auslöschen wollen. Jüngste arabische Kommentare sind deshalb bewusst mit Titeln wie ‚Zenobia, Gefangene der Dschihadisten‘, aber auch ‚Zenobia kämpft gegen den IS‘ überschrieben.“

Vorverkauf: Theater Münster | Neubrückenstraße 63 | 48143 Münster
Montag – Freitag 10–18 Uhr (telefonisch bis 17 Uhr) und Samstag 10–14 Uhr
Tel. (0251) 59 09-100 – Fax (0251) 59 09-205
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