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Marica Bodrožic am 28. November im Theatertreff

Themen wie Flucht, Asyl, Exil scheinen von Tag zu Tag aktueller und bedrückender zu werden – und das weltweit! Da mag es geraten sein, nicht nur die allgemeine historische und politische Dimension des Themas zu reflektieren, sondern auch das, was es „mit einem macht“. Die Schriftstellerin Marica Bodrožic hat ihre eigene Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem Thema konkretisiert, indem sie buchstäblich – zu Fuß – den Spuren gefolgt ist, die der deutsche Philosoph und Kulturkritiker Walter Benjamin (1892 bis 1940) auf seiner Flucht vor den Nazis hinterlassen hat. Am Montag, den 28.11. wird Marica Bodrožic um 20 Uhr im Theatertreff (Neubrückenstraße 63) aus ihren „Seelentelegrammen“ lesen, die in diesem Jahr unter dem Titel „Die Arbeit der Vögel“ erschienen sind.

Marica Bodrožic, geboren 1973 im Hinterland von Split, Dalmatien, lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. Sie schreibt Gedichte, Romane, Erzählungen und Essays. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr wurde Marica Bodrožic von ihrem Großvater in Svib in der Nähe von Split aufgezogen. 1983 zog sie nach Hessen und besuchte dort die Schule. Ab diesem Zeitpunkt erlernte sie die deutsche Sprache. In ihrem autobiografischen Buch „Sterne erben, Sterne färben“ schildert sie ihr poetisches und poetologisches Verhältnis zu ihrer, wie sie es nennt: „zweiten Muttersprache“, die auch die Sprache ihrer Literatur geworden ist.

Marica Bodrožic ist vielfach ausgezeichnet worden: 2015 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, 2017 mit dem Preis der Ricarda Huch-Stiftung, 2020 mit dem Walter Hasenclever-Literaturpreis, 2021 mit dem Manès Sperber-Preis.

Auf der Flucht vor den Deutschen gelangt Walter Benjamin im September 1940 über einen alten Schmugglerpfad vom französischen Grenzort Banyuls-sur-Mer ins nordspanische Portbou. Tags darauf setzt er seinem Leben ein Ende. Acht Jahrzehnte später nimmt Marica Bodrožic den letzten Weg des großen deutschen Schriftstellers und Philosophen zum Anlass, um über unsere Zeit, die Komplexität von Lebensläufen und Identität, Freundschaft und Flucht nachzudenken. Kunstvoll webt Marica Bodroic in ihren Gedankenstrom die Schicksale auch anderer Intellektueller ein, die der Gewalt des 20. Jahrhunderts ausgesetzt waren – etwa der Widerstandskämpferin Lisa Fittko oder des Dichters Ossip Mandelstam.

So ein Unternehmen sei der für Gedankenbilder und schillernde Begriffspoesie bekannt gewordenen Autorin wie auf den Leib geschnitten, befindet Joseph Hanimann in der Süddeutschen Zeitung: „Das Nachdenken über Verfolgung, Gefangenschaft, Widerstand, Exil stellt sich ihr im Rhythmus des Ein- und Ausatmens ein, beim bald beschwerlichen, bald beglückenden Aufstieg über den Pyrenäenweg.“


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