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María Cecilia Barbetta am 26. September 2018
in der Stadtbücherei


María Cecilia Barbetta wurde 1972 in Buenos Aires, Argentinien, geboren und wuchs in dem Viertel Ballester auf. Sie kam 1996 nach Berlin und blieb. Schon ihren ersten Roman, »Änderungsschneiderei Los Milagros« (2008), schrieb sie auf Deutsch. Er wurde mit wichtigen Preisen ausgezeichnet, darunter dem aspekte-Literaturpreis (2008) und dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis (2009). Bereits vor dem Erscheinen des zweiten Romans wurde ein Abschnitt aus einem neuen Romanmanuskript mit dem renommierten, von Günter Grass gestifteten Alfred-Döblin-Preis (2017) geehrt. „In dem Romanprojekt ‚Bloody Mary‘ verschränkt sie“, laut Jury-Begründung, „auf so kunstvolle wie leichthändige Weise die Geschichten kleiner Leute in einem Vorort von Buenos Aires mit der großen Geschichte am Vorabend der argentinischen Militärdiktatur. In ‚Bloody Mary‘ trifft Spiritismus auf Politik, treffen tote Wellensittiche auf blutende Marienstatuen und weinende Zeitungshändler. Ein so furioses wie kühnes Unterfangen, in dem selbst die Mumien lebendig scheinen.“ Am Mittwoch, den 26. September wird sie um 20 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei aus dem abgeschlossenen Roman lesen, der jetzt den Titel „Nachtleuchten“ trägt. Er steht auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis, der zu Beginn der kommenden Frankfurter Buchmesse verliehen wird.

Als Kind har María Cecilia Barbetta die Militärdiktatur in ihrem Heimatland erlebt, ohne schon zu realisieren, was da vor sich ging: zahllose Tote, Verschwundene, Ausgewanderte. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hat sie berichtet, wie das Phantastische, das sie in der deutschen Literatur entdeckt habe, sie dazu animierte habe, zu schreiben – auf Deutsch. Die Liebe und das Glücklichsein seien für sie „immer verknüpft mit dem Fremden, immer verknüpft mit der deutschen Sprache, mit dem Verlassen meiner eigenen Welt, auf der Suche nach etwas Eigenem.“ Und das Eigene habe sie dann in Deutschland gefunden, aber auch wieder verknüpft mit dem, was sie hinter sich gelassen habe.

María Cecilia Barbetta erzählt von der gespenstischen Atmosphäre am Vorabend eines politischen Umsturzes. Menschen, die aus der ganzen Welt gekommen sind, haben sich in Buenos Aires eine Existenz aufgebaut. In dem Viertel Ballester kämpfen sie - jeder auf seine Art - für den Aufbruch, die Revolution und eine bessere Zukunft: Teresa und ihre Klassenkameradinnen in der katholischen Mädchenschule ebenso wie Celio, der Friseur in der „Ewigen Schönheit“, oder die Mechaniker der Autowerkstatt „Autopia“. Doch politische Spannungen zerreißen das Land, Aberglaube und Gewalt schleichen sich in die Normalität. Mit einem feinen Gespür für die Poesie des Alltags erzählt María Cecilia Barbetta von der Liebe zum Leben in den Zeiten des Umbruchs.
„Natürlich wird es immer Leser und Kritiker geben, die mit dem Überbordenden in meinem Stil nicht zurechtkommen“, sagt María Cecilia Barbetta in dem besagten Interview: „Es gehört aber auch zu mir, es gehört zu Lateinamerika, es gehört zum Katholizismus, meine Sprache ist blumig und ich habe ein großes Herz für Kitsch.“



Die nächsten Veranstaltungen:

Gretchen Dutschke: 1968. Worauf wir stolz sein dürfen. (Kursbuch Kulturstiftung)
1. Oktober, Stadtbücherei

Jörg Schröder/Barbara Kalender: Siegfried (Schöffling)
18. Oktober, Theatertreff

Michael Köhlmeier: Bruder und Schwester Lenobel (Hanser)
23. November, 2018 Stadtbücherei