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Sabrina Janesch

Die Klagenfurter Jury war nicht recht überzeugt, als im letzten Jahr die 1985 geborene Autorin Sabrina Janesch Auszüge aus ihrem ersten Buch gelesen hatte. Als es dann aber herausgekommen war, erhielt es nicht nur von der F.A.Z. bis zur taz positive Kritiken, sondern es wurde auch mit dem den Mara-Cassens-Preis für das beste deutschsprachige Romandebüt ausgezeichnet. Am Freitag, den 13. Mai wird Sabrina Janesch um 20 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei aus diesem Roman lesen: „Katzenberge“. Die 1985 geborene deutsch-polnische Schriftstellerin – seit August 2010 in Münster lebend – erzählt die offenbar autobiographisch motivierte Geschichte einer existentiellen Reise. Eine junge Frau, Nele – „Nelunia“ – Leibert, reist zur Beerdigung ihres Großvaters von Berlin nach Niederschlesien und von dort weiter nach Galizien, in das Geburtsland des Großvaters. Dieser war in Folge der Übergabe ehemals polnischer Gebiete an die Ukraine nach Niederschlesien zwangsumgesiedelt worden, um dort einen Hof getöteter oder vertriebener deutscher Siedler zu übernehmen. Die Reise nach Osten, die Nele im Jahr 2007 unternimmt, ist also der unfreiwillig „westwärtigen“ Reise ihres Großvaters entgegengesetzt. Je weiter sie nach Osten vordringt, desto tiefer dringt sie in die Vergangenheit ihrer Familie. Aus der Raumreise wird eine elegische Zeitreise. In seiner Laudatio zur Verleihung des Mara-Cassens-Preis an Sabrina Janesch hat der Literaturkritiker Jörg Magenau den archäologischen Eigensinn dieses Romans präzise charakterisiert. „Katzenberge“ sei eine literarische Landvermessung: „Heimatkunde oder besser gesagt: Erd-Kunde – und zwar in der unmittelbaren Bedeutung des Wortes: Erde ist das zentrale Motiv des Romans, das immer wieder aufgenommen und variiert wird.“ Das sei nicht unheikel, schließlich stehe alles Erdige hierzulande in der Traditionslinie der nationalsozialistischen „Blut-und-Boden“-Literatur und müsse sich dazu verhalten: „Da ist es von Vorteil, dass ‚Katzenberge‘ als ein polnischer Roman gerade die andere Seite beschreibe, nicht den Heimatverlust der Deutschen in Schlesien, sondern den der Polen, die dort angesiedelt wurden. Es geht um Fremdheit und das Leben auf fremder Erde – und sehr wohl auch um Erdverbundenheit und auf eine geradezu archaische, magische Weise um einen Beutel voller Heimaterde.“ Günter Grass hat gute Gründe gehabt, dem Buch der ersten Danziger Stadt-Schreiberin „viele Leser“ zu wünschen.

Vorverkauf: Buchhandlung Rosta, Aegidiistraße 12, Tel.: 44 926 und Abendkasse