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Uwe Tellkamp

Am Dienstag, den 21. Oktober wird der soeben mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Autor aus seinem Roman „Der Turm“ lesen, den die Kritik einhellig als den bedeutendsten Roman über die ehemalige DDR gefeiert hat. Der 1968 geborene Autor war nach seinem Abitur Offizier in der Nationalen Volksarmee geworden, um später Medizin studieren zu können. Als seine Einheit 1989 gegen Dresdner Demonstranten vorgehen sollte, verweigerte er den Dienst. Dieses autobiographische Material transformiert Tellkamp zu einem vielstimmigen Epos über „eine versunkene Welt“, über den Prozess, der einer „Wende“ vorausgeht, die noch immer nicht bewältigt ist.
Der Titel des Romans bezieht sich auf eine bildungsbürgerliche Wohngegend am hohen Elbufer. Ulrich Greiner in der „Zeit“ bewundert das fast tausend Seiten umfassende Werk für die „altmodische, die unglaubliche Zuversicht, der Roman als bürgerliche Erzählform sei imstande, eine untergegangene Epoche noch einmal zum Vorschein zu bringen, von ihren Hoffnungen, aber vor allem von ihrem Leid so zu erzählen, dass es für immer aufgehoben ist.“
Vor fünf Jahren hat er am Lyrikertreffen Münster teilgenommen, im Jahr 2004 gewann er den Ingeborg-Bachmann-Preis, sein Roman „Eisvogel“ ein Jahr später war in der Kritik umstritten, aber in diesem Herbst präsentiert er ein Werk, das sofort eine außerordentliche Aufmerksamkeit auf sich zog. Am Dienstag, den 21. Oktober wird Uwe Tellkamp um 20 Uhr 15 im im Rathausfestsaal aus seinem Roman „Der Turm“ lesen. Für dieses Buch hat er den diesjährigen Uwe-Johnson-Preis erhalten. Es ist ein Roman, der die letzten 7 Jahre der DDR vergegenwärtigt. Diese „Geschichte aus einem versunkenen Land“ besteht aus zwei Teilen; der erste, eine Art Bildungsroman, trägt den Titel „Die Pädagogische Provinz“, der zweite, eine Art Gesellschaftsroman, ist überschrieben mit „Die Schwerkraft“. Und es ist staunenswert, dass Uwe Tellkamp nicht nur einen epischen Atem hat, der über fast tausend Seiten nicht aussetzt, sondern auch das poetische Detail beherrscht. Und es ist ein „offenes“ Satzzeichen, ein Doppelpunkt, mit dem der Roman lakonisch endet: „… aber dann auf einmal … / schlugen die Uhren, schlugen den 9. November, Deutschland einig Vaterland’, schlugen ans Brandenburger Tor:“ Vielleicht ein Doppelpunkt, der eine Fortsetzung ankündigt.