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Cecilia Barbetta

Das Künstlerdorf Schöppingen schreibt seine Erfolgsgeschichte fort. Im 20. Jahr seines Bestehens sind über 1500 Bewerbungen eingegangen, davon über 200 für Literatur. Der Literaturverein Münster hat immer wieder mit dem Künstlerdorf zusammengearbeitet. Jetzt hat er eine Stipendiatin eingeladen, die 2008 mit dem renommierten aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet worden ist: Am Donnerstag, den 26. Februar wird um 20 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei María Cecilia Barbetta aus ihrem ersten literarischen Buch lesen: „Änderungsschneiderei Los Milagros“. Die Autorin - 1972 in Buenos Aires geboren - ist 1996 nach Berlin gekommen und hat eine wissenschaftliche Arbeit über Patrick Süskinds „Das Parfüm“ geschrieben. Jetzt hat sie ihrerseits einen phantastischen Roman geschrieben, dessen Text mit Textilien zu tun hat, kein Wunder, dass irgendwann ein Alphabet der Stoffe buchstabiert wird. Ihr Verlag hat alles getan, um auch das Buch als solches zu einem erlesenen Kunstwerk zu gestalten: Es gibt Abbildungen, die den Text weniger illustrieren als ihn kaleidoskopisch durcheinanderwirbeln, jedem der 33 Kapitel ist ein anderes Schnittmuster zugeordnet.

Der Ausgangspunkt ist so melodramatisch wie in einer klassischen Komödie: Da ist eine sehnsüchtig verträumte Schneiderin in Buenos Aires, Mariana Nalo, deren Gerardo in den USA verschwunden ist, und da ist Analía Moran, die in die Symmetrie der Zahlen und in ihren Roberto verliebt ist und jetzt das aus wertvoller italienischer Seide angefertigte Hochzeitskleid ihrer Mutter ändern lassen will. Und es hat schon etwas von einem kriminalistischen Rätsel, wie sich die Lebensgeschichten der beiden Frauen zu „umgarnen“ und zu „verknäulen“ beginnen. Das Nähen, um das es auf der Handlungsebene jedenfalls auch geht, erweist sich als eine Metapher für ein Schreiben, dem kein literarisches Register zwischen magischem Realismus und konkreter Poesie fremd ist. Ja, María Cecilia Barbetta ist eine äußerst belesene Autorin, und so ist der Schauplatz des Romans gleichzeitig ein Echoraum der Weltliteratur: patchworkhafte Anspielungen auf Shakespeare und Jules Verne – und auf "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll. Ein Kleid von einem Buch: „einfach exquisit, ein seltener italienischer Stoff, komplett Handarbeit, kostbare Stickereien, edle Spitze, ich habe noch nie Vergleichbares in der Hand gehalten.“