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Markus Orths

- ausgezeichnet mit dem Telekom-Austria-Preis in Klagenfurt 2008
-liest aus seinem Roman „Das Zimmermädchen“

Der Literaturverein Münster präsentiert zu Beginn seines zweites Halbjahresprogramms Markus Orths, einen Autor, der vor ein paar Monaten beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb mit dem Telekom-Austria-Preis ausgezeichnet worden ist. Über die Teilnahme an diesem Wettbewerb, deren Jury der Münsteraner Autor Burkhard Spinnen vorstand, hat Orths eine nachträgliche Reportage geschrieben, mit dem offenherzigen Titel: „Das Kampfschwein in mir“.
Am Mittwoch, den 24. September wird Markus Orths um 20 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei aus seinem neuen Roman „Das Zimmermädchen“ lesen. Die bisherigen Romane des 1969 in Viersen geborenen Autors haben sich immer wieder in Milieus begeben, die entgegen ihrer Bedeutung nicht gerade im Fokus der zeitgenössischen Belletristik stehen: so die der Kirche - in dem Roman „Corpus“, 2002 - oder die der Schule - in dem Roman „Lehrerzimmer", 2003.
Mit seinem Neuen Roman betritt Markus Orths abermals eine Welt, die bei näherem Hinsehen exotischer ist, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Orths erzählt die Geschichte einer Frau, die nach einigen privaten Irrungen und Wirrungen endlich wieder einen Job gefunden hat - als Zimmermädchen im Hotel „Eden“. Es ist ein Roman, der jedenfalls eine Seite dessen beleuchtet, was in den kommenden Monaten das kulturelle Leben in Münster bestimmen wird: das Reisen, die Kunst des Reisens, die Künstler auf Reisen. Das, auf das er sein fahles Licht wirft, ist freilich dazu angetan, dass man die eine Reiseerinnerung doch noch einmal „nachsehen“ möchte und sich bei der anderen Reiseplanung besser „vorsehen“ wird. Denn Linda Maria Zapatek, genannt „Lynn“, ist ein Zimmermädchen, das es nicht beim täglichen Putzen und Bettenmachen und Schokolädchen-auf-die-Kopfkissen belässt. All die vorübergehenden Hinterlassenschaften der Gäste werden von ihr nicht nur akribisch inspiziert, sondern aus ihnen biographische Hypothesen entwickelt. Schließlich geht sie so weit, dass sie sich jenen Gästen buchstäblich anverwandelt, indem sie sich deren Kleidungsstücke überzieht. Spannend wird die Sache, als ein heimkehrender Gast sie zu ertappen droht. Zu dem Exil unter dem Bett gibt es keine Alternative, aber Markus Orths wechselt vom Thema der verzweifelten Selbstinszenierungen nicht zum frivolen Boulevard-Stück über. Lynns erste Nacht unter dem Bett ist nicht die letzte. Sie ist der Anfang einer voyeuristischen Anstrengung, am Leben der Anderen teilzuhaben.
Die Süddeutsche Zeitung sieht in dem Roman weniger das Porträt einer lebenskranken Frau als eine Widerspiegelung allgemeiner Ängste. Er lege den Finger auf die Wunde der mobilen Dienstleistungsgesellschaft und zeige uns, „dass wir gesehen und gehört werden: von all den Helfern, die uns das Leben erleichtern und deren Blick und Gehör wie vergessen müssen, um den erkauften Komfort zu genießen.“