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Nino Haratischwili

Bereits als 15-jährige hat sie eine zweisprachige deutsch-georgische Theatergruppe geleitet, in den letzten anderthalb Jahrzehnten mehr als ein Dutzend Theaterstücke geschrieben und größtenteils selber inszeniert; und seit 2010 hat sie drei Romane vorgelegt, die insgesamt 2000 Seiten umfassen, der letzte ist doppelt so lang wie die beiden ersten – und doch so etwas wie ein „Pageturner“. Am Dienstag, den 16. Dezember 2014 wird die 1983 in Tbilissi geborene, seit 2003 in Hamburg lebende Nino Haratischwili um 20 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei aus ihrem Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ lesen.

Die Veranstaltung wird von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert, die auch den Adelbert-von Chamisso-Preis verleiht, der auf eine Idee des Münsteraner Romanisten Harald Weinrich zurückgeht. Mit dem Preis werden herausragende auf Deutsch schreibende Autoren ausgezeichnet, deren Werk von einem Kulturwechsel geprägt ist. Im Jahr 2010 hat Nino Haratischwili den Chamisso-Förderpreis erhalten und vor zwei Jahren das „Grenzgänger-Stipendium“ der Stiftung.

Georgien im Jahr 1900: Mit der Geburt Stasias, Tochter eines Schokoladenfabrikanten, beginnt alles. Stasia wächst in der Oberschicht auf und heiratet jung den Weißgardisten Simon Jaschi, der am Vorabend der Oktoberrevolution nach Petrograd versetzt wird. Als Stalin an die Macht kommt, sucht Stasia mit ihren beiden Kindern Kitty und Kostja in Tbilissi Schutz bei ihrer atemraubend schönen Schwester Christine.

Deutschland im Jahr 2005: Nach dem Fall der Mauer und der Auflösung der UdSSR herrscht in Georgien Bürgerkrieg. Niza, Stasias hochintelligente Urenkelin, hat mit ihrer Familie gebrochen und ist nach Berlin ausgewandert. Als ihre zwölfjährige Nichte Brilka nach einer Reise in den Westen nicht mehr nach Tbilissi zurückkehren möchte, spürt Niza sie auf. Ihr wird sie die ganze Geschichte erzählen: von Stasia, die still den Zeiten trotzt, von Christine, die für ihre Schönheit einen hohen Preis zahlt, von Kitty, der alles genommen wird und die doch in London eine Stimme findet, von Kostja, der den Verlockungen der Macht verfällt und die Geschicke seiner Familie lenkt, von Kostjas rebellischer Tochter Elene und ihren Töchtern Daria und Niza und von der Heißen Schokolade nach der Geheimrezeptur des Schokoladenfabrikanten, die für sechs Generationen Rettung und Unglück zugleich bereithält –

Indes, jede Inhaltsangabe muss den literarischen, den historischen und den existentiellen Gehalt des Werkes verfehlen, das Burkhard Müller in der Süddeutschen Zeitung so charakterisiert: „Nino Haratischwili hat ein großes Buch geschrieben: ein Buch, das ein Jahrhundert und den halben Globus überblickt und in dem doch, wie im Erleben eines kleinen Kindes, alles nur Liebe und Schrecken ist. Es ist ein Wurf, der aus den heutigen Voraussetzungen und Mitteln des Deutschen und der Deutschen allein niemals hätte gelingen können; ein Geschenk an uns aus den Widersprüchen und der Größe des Ostens. Der ist uns näher gerückt, als wir wahrhaben wollen.“